Solnhofener platten verlegen – Dickbett mal anders

Moderner Fliesenkleber hat das eigentlich gute Dickbettverfahren beinahe abgelöst. Jedoch hat letzteres einige Vorteile: Durch die Mindestdicke des Mörtels von 1 bis 2cm können sehr leicht Unebenheiten im Untergrund ausgegliechen werden. Das Verfahren an sich ist jedoch ein wenig aufwändiger und dauert auch länger wie mit Fliesenkleber. Ich werde mich hier auch gar nicht über Dünnbett und Co. auslassen, sondern gleich zu meiner etwas spezielleren Methode übergehen…. mit einem kleinen Umschweif.

Beim Dickbettverfahren gibt man seinen Mörtel -bei Natursteinen eigentlich mit Trasszement- in Bahnen auf den Untergrund, glättet diese Bahnen vorab ein wenig und legt darauf dann seine Platten. Nachdem der Mörtel ausreichend angezogen und ausgehärtet ist kann verfugt werden.

So in etwa bin ich auch vorgegangen… aber nur in etwa. In meiner Wohnung verlege ich die Böden gerne schwimmend (Schwimmender Estrich); einfach nur um den best möglichsten Schallschutz zu haben. Das heißt auch wieder zuerst die Vorbereitung des Rohboden: Randdämmstreifen anbringen, Trittschalldämmung (30mm EPS) auslegen, darauf Folie und hierauf… könnte jetzt eigentlich Estrich ausgelegt werden und darauf die Platten verklebt. Könnte man…. 4Wochen Trocknungszeit für den Estrich und dann wieder mit den Platten anfangen. Am Ende hat man einen Fussboden mit einer Stärke von ca.15cm…. Warum nicht Estrich und Platten gleichzeitig verlegen!? Wenn man ein Auge zudrückt, kann man den Dickbett mit einer Stärke von 3cm auch schon fast als Estrich betrachten.

Platten reinigen

Als erstes mussten die Platten ein wenig sauber gemacht werden. Sie lagen gute 100Jahre in einem Zimmerchen, in dem auch ein Kaminofen stand. Dazu kam wohl dann auch noch 100Jahre Schweißfüse; die Platten hatten einen leichten braunen Belag.

Kleiner Tipp: Die rückständigen Klebestreifen vom doppelseitigen Klebeband kann man hier relativ einfach abbekommen: Man legt zuerst ein wenig Küchen- doer Klopapier über den Streifen und trängt das Papier dann mit Terpentin oder ähnlichem und lässt das ganze einige Minuten einwirken. Wenn das Terpentin weicht den Klebestreifen soweit auf, dass man ihn fast mühelos abwischen kann; ggf. wiederholen.

Die Platten wurden zuerst mit einem Hochdruckreiniger vorbehandelt; der noch haftende Belag musste dann leider ein wenig mühsam mit der Bohrmaschine und einer Drahtbürste abgeschruppt werden. Eine Flex ist hier nicht ratsam, da sich diese viel zu schnell dreht und die Drahtbürste nur schwarze Schmierer hinterlässt.

Bevor man etwas anfängt, sollte man auch wissen, wie man es beendet.

Solnhofener Platten direkt im Estrich verlegen

Ich hatte hier nur einfachen Zement für meinen Estrich verwendet. Viele raten zu (extra teurem) Trasszement, da er den Naturstein nicht verfärbt etc… Aber wenn ich so einen glatt-geleckten Boden hätte haben möchten, dann hätte ich Fliesen genommen oder gleich (giftiges) Epoxidharz. Das schöne an Natursteinen, vorallem an meinen alten gebrauchten Platten, ist, dass sie nicht gleichmäßig gefärbt und abgenutzt sind und eine Musterung haben (u.a. auch kleine Fossilien). Mir kam es gar nicht in den Sinn diese allzu ordentlich zu verlegen.

  1. Rohboden vorbereiten. Ich habe es ja schon weiter oben geschrieben. Meine Böden werden alle schwimmend verlegt; d.h. Randdämmstreifen anbringen, Trittschalldämmung (EPS) auslegen, Folie darauf. Wer es etwas genauer nachlesen möchte kann das hier tun -> Schwimmender Estrich Spätestens jetzt sollte man auch wissen, welche endgültige Höhe der Boden haben soll; wo die Oberkante sein soll. In meinem Fall hatte ich den Treppenaustritt auf der einen und meine Türschwelle auf der anderen Seite. Sie waren zueinander nicht genau im Wasser, aber diesen kleinen Unterschied kann man leicht mit dem kommenden Boden ausgleichen. Ja… der fertige Boden ist leicht schief, aber das merkt man gar nicht.
  2. Platten vorbereiten. Man kann auch während man die Platten verlegt, diese anpassen und zuschneiden. So erhält man wohl das beste Ergebnis und feine Fugen; falls die Platten gerade Kanten haben. Aber da ich hier nur grob arbeite (Fugen von ca.1cm und meine Platten haben auch nur krumme, gebrochene Kanten), hatte ich die Platten im Vorfeld schon grob zugeschnitten und angepasst.
  3. Mörtel bzw. den Estrich anmachen. Für ein herkömmliches Dickbett mit ca.2cm könnte man auch noch 0/4Kies verwenden. Ich hatte hier auf Grund der Dicke von 3 bis 6cm (meine Platten haben unterschiedliche Stärken von 2cm und 4cm) wieder 0/8Kies verwendet und zu der Mischung noch PP-Fasern hinzugegeben um die Festigkeit zu erhöhen und eventuelle Rissbildung zu verhindern. Die Mischung ist wie gehabt 1Teil Zement, 4 Teile Kies, Fasern und Wasser; jedoch das Ganze relativ trocken anmachen, da man ja die Solnhofener Platten mit einem Gummihammer in den Mörtel hineinklopft.
  4. Mörtel bzw Estrich aufbringen und die Platten verlegen. Mörtel ist angemacht? Wasserwaage, Gummihammer und Kellen liegen bereit? Dann kann es losgehen. Bei größeren Flächen sollte man etwas systematischer vorgehen: Mit einer Richtschnurr kann man sicherstellen, dass zu mindest die erste Reihe Platten gerade liegt. Man fängt am Besten mit einer aufgehäuften Reihe Mörtel an, in die man nun die Platten so hineindrückt, dass diese gerade und waagrecht liegen und vollflächigen Kontakt zum Mörtel haben. Mit dem Gummihammer klopft man nun die Platten vorsichtig weiter nach unten in den Mörtel bis die Platten die endgültige Höhe erreicht haben und gerade liegen. Wenn Mörtel bzw. Estrich unter den Platten wieder herausquillt, kann man davon ausgehen, dass die Platten vollflächig im Mörtel liegen. Man kann hier, bevor man die nächste Platte legt, um die frisch verlegte Platte einen kleinen Graben in den Mörtel machen. Dieser Graben füllt sich wieder, wenn die Platte nach unten gedrückt wird, aber verhindert auch, dass dabei Mörtel und Kies zwischen die Plattenkanten kommt und somit die Fugen ggf. vergrößert bzw. kann man die Platten dann nicht weiter zusammenschieben und die Fugen minimieren.
  5. Trocknen lassen. Hier gilt auch wieder die Faustformel: pro cm eine Woche. Das Wären in meinem Fall bei durchschnittlich 4cm Mörtelstärke 4Wochen, die der Belag zum austrocknen bräuchte. Ich hatte meinem aber nur 1Woche gegeben bevor ich ihn verfugt hatte; dafür habe ich aber auch die äußeren Kanten an der Wand offen gelassen um dem Boden noch die Gelegenheit zu geben weiter auszutrocknen. Während der Trocknungszeit wurde der Boden mit einem Tuch abgedeckt. Damit konnte kein Dreck in die Fugen fallen, aber der Mörtel über die Fugen noch ein wenig austrocknen. Zur Lastenverteilung, damit man den Boden vorsichtig betreten kann, wurden auch noch einige Dielen ausgelegt.
  6. Verfugen. In meinem Fall hatte ich sehr grobe Fugen mit einem bis 1,5cm Breite. Daher hatte ich die Platten mit normalem Zementmörtel (Zement und 0/4Kies) verfugt. Dafür muss der Mörtel relativ flüssig angemacht werden. Man verteilt ihn großzügig mit einer Gummispachtelauf dem gesamten Boden und wenn man die Muse hat, kann man ihn auch noch in die Fugen drücken. Bei kleineren Fugen ist  feinerer Fugenspachtel zu empfehlen. Nachdem der Mörtel in den Fugen ein wenig angetrocknet ist (bei Zementmörtel sind das gute 40min, vielleicht auch eine Stunde. Einfach eine Kaffeepause machen und ab und zu mal einen Blick auf den Mörtel werfen) kann man den Zementschleier mit einem feuchten Schwamm abwischen und ggf. die Fügen selber noch ein wenig formen und abwaschen; aber bitte mit Vorsicht. Nach ein bis zwei Tagen sollten die Fugen soweit ausgehärtet sein, dass man mit Wasser und Schwamm nochmal nachwischen kann. Je früher man den Zementschleier entfernt, desto besser.

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