Fenster einbauen – Ral Montage

Beim Fenstereinbau hat sich die letzten Jahre einiges getan. Ich hoffe, ich schaffe es hier, es einigermaßen zu erklären und verständlich zu machen. Dabei kann man natürlich nicht auf jede Einzelheit eingehen, aber dieser Post sollte für den privaten Einbau ausreichen.

Vorwort

Das Thema „Fenster“ ist von den ersten Guck- und Lüftunglöchern in den Wänden, über die prachtvollen Kirchenfenster, bis zu den modernen Fassaden doch ein sehr weitreichendes… aber dazu werf ich jetzt einfach mal Stichwörter wie Float-Glas, Pfosten-Riegel, VSG und ESG in den Raum und…. Bei Fenstern und Türen darf man als erstes auch nicht den Einbruchschutz vergessen und dazu noch Schall- und mittlerweile auch Sonnenschutz.(Integrierten Sonnenschutz. Sonnenschutz von außen und Co. gibt es schon länger ^^ ) Einbruchschutz ist vorallem versicherungstechnisch wichtig: hat man die Fenster, die die Versicherung fordert, nicht eingebaut, kann es sein, dass diese im Falle nicht zahlt! Aber für weitere Infos bitte Fensterbauer und Versicherung befragen…. Vorab sei auch noch gesagt, dass es sicherlich noch weitere Methoden und Arten ein Fenster einzubauen, aber das hier sind die zur Zeit aktuellen Standards und mir bekannten.

Fensterteile

Die ältesten Fenster, die ich bisher gesehen und erlebt hatte (bis auf Kirchenfenster), bestehen aus einem Eisenrahmen, in dem Glasscheiben eingeklebt sind. Natürlich sind Holzfenster auch alt bzw gab es diese schon vor Eisen, aber dazu gleich.

Bild01Grundsätzlich sitzt das Fenster mit oder ohne Anschlag in der Leibung. Der Fenstersturz hat nur die Funktion die über der Öffnung liegende Mauer auch oben zu halten; also der Sturz trägt die Kräfte von oben ab. Bei der Fensterbank muss man außen und innen differenzieren. Innen dient sie nur optischen Gründen; außen führt sie jedoch das anfallende Wasser vom Fenster und Haus weg. Dafür sitzt i.d.R. die Bank außen etwas unterhalb dem Fenster. Heutzutage wird das Blech in eine Falz im Fensterboden eingesteckt und verschraubt.

Das Fenster an sich besteht aus dem Fensterrahmen, der in die Wandöffnung montiert wird, in den dann der Fensterflügel eingehängt wird. Die Glasscheiben liegen in einer Falz im Flügel und werden von der Innenseite mit einer so genannten Glasleiste eingeklemmt bzw. von dieser gehalten. Die Leisten werden bei Holzfenster mit kleinen Nägelchen im Flügel befestigt, bei Kunststofffenstern werden die Leisten nur noch eingeklipst.  Die Glasscheibe kann noch ausgekittet sein, was aber heutzutage nicht mehr üblich ist.

Wie bleibt nun das Fenster in der Leibung ohne heraus zu fallen?

Bild02Wenn man nun ein Fenster setzten bzw montieren will, nimmt man als erstes den Fensterflügel aus dem Rahmen heraus und stellt ihn zur Seite. Den Rahmen stellt man mittig in die Öffnung und unterlegt ihn so, dass er die geforderte Höhe für Fenstersims und -bank und außerdem noch ein bisschen Luft nach oben hat und vorallem in allen drei Achsen im Wasser steht. Im Zweifelsfall lässt man hier lieber das Fenster auffallen, anstatt dass es im geöffneten Zustand immer wieder zufällt; also den Fensterrahmen minimal leicht nach innen gekippt.

Die ursprüngliche Methode war/ist den Fensterrahmen mit Keilen zwischen Sturz und den Fensterpfosten (den senkrechten Teilen im Fensterrahmen) zu verkeilen und dann anschließend zu befestigen.

Jetzt nur die Frage wie befestigen!?…

Ich habe es öfters gesehen (und es funktioniert auch), dass die Fenster einfach nur verkeilt und anschließend verputzt wurden. Nur kann es dann passieren, dass mit der Zeit kaum bemerkbare Risse zwischen Putz und Fenster entstehen, durch die es aber umso bemerkbarer zieht(Zugluft), was zum einen die Heizkosten steigert und zum anderen auch zu Schimmel und sogar Moosbildung führen kann (und wohl auch wird). Die mechanische Belastung beim Öffnen und Schließen des Fenster und auch  u.a. das Arbeiten des Holzes öffnet hier die Risse.

Daher ging man zuerst über die Fenster fester mit Laschen, später mit Schrauben und Dübeln im Mauerwerk zu verankern und die Lücken zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk mit Dämmwolle auszustopfen und später mit Montage-Schaum auszuspritzen, wobei der Schaum an sich wiederum gut haftete und die Fenster vollkommen ausreichend fest verklebte, weswegen u.U. die Laschen/Schrauben wieder weggelassen wurden… etc… Kombiniert wurde vieles… und vieles hält auch irgendwie….

PU-Schaum und/oder die reingestopfte Glaswolle in Kombination mit dem Putz dichten zwar schon die Lücke zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk ganz gut ab, aber nicht 100%ig. Daher empfiehlt es sich zum Schluss, wenn der Putz sowohl innen wie auch außen getrocknet ist, noch eine Fuge um den Rahmen mit Silikon, Acryl oder ähnlichem zu ziehen.

Bei modernen Fenstern bzw in Neubauten hat sich vom Prinzip her gar nicht so arg viel geändert, nur sind hier die Anforderungen bezüglich Wärmeschutz und Dichtigkeit gestiegen. Das Fenster an sich hat sich auch ein wenig geändert. Standard ist heute (leider) Kunststoff. Das Material hat seine Vorteile aber benötigt im Rahmen noch eine Stahleinlage um eine gewisse Stabilität und Festigkeit zu bekommen. Dazu kommt noch eine Drei-fach-Verglasung, die mit dem Edelgas Argon gefüllt ist und i.d.R ist die mittlere Scheibe mit Silber bedampft. Das Argon leitet schlichtweg schlechter Wärme wie Luft und hat dazu auch noch keine Luftfeuchtigtkeit; die Silberbedampfung hält die Wärmestrahlung draußen, lässt aber Licht durch. Dazu sind noch überall Dichtgummis angebracht, so dass am Ende diese Fenster absolut dicht sind.

Befestigt wird der Fensterrahmen entweder klassisch mit Laschen oder Schrauben und Dübeln oder, was auch praktischer ist, mit selbst schneideten Fensterschrauben. Für letzteres wird der Rahmen und die Mauer/Leibung vorgebohrt und anschließend nur noch die Schrauben ins Loch reingedreht. Die Schrauben werden nicht um sonst „selbstschneidend“ genannt… und ja… die fressen sich wirklich, wie eine Holzschraube ins Holz, in das Mauerwerk und halten dort auch bombenfest. Hierbei sollte man darauf achten den Fensterrahmen nicht zu verziehen und  auch, dass dieser noch etwa 1,5cm Luft hat. Aber hier komm ich dann auch schon zu den „Abdichtmöglichkeiten“….

Einbau mit Bloccoband

Heutiger Standard ist u.a. zuerst Bloco-Band um den Rahmen zu kleben, den Rahmen in die Leibung zustellen, ihn ausrichten und zum Schluss wird alles verschraubt. Durch die Schrauben hält das Fenster in der Leibung und das Bloco-Band dichtet den Rahmen zum Mauerwerk ab. Auf der Innenseite hat das Bloco-Band auch noch einen Folienstreifen, der wie eine Dampfsperre funktioniert. Anschließend wird noch eine Putzleiste auf den Fensterrahmen geklebt, an die später der Verputzer an putzen kann. Besonderheit dabei ist, dass die Leiste zum einen schon einen vorgesehenen Klebestreifen hat, an den man Folie zum Abkleben des Fensters anbringen kann (Verputzen ist eine „schmutzige“ Arbeit;), und in der Leiste ist noch ein flexibler Streifen eingebaut. Weiter oben wurde ja schon erwähnt, dass bei Gebrauch des Fensters (Öffnen und Schließen) Risse zwischen Innenputz und Fenster entstehen können, welche dieser flexible Streifen verhindert.

Fenster Kompri BandDer Fensterrahmen steht jetzt mit Bloco-Band umwickelt in der Leibung und wird je nach Größe mit vier, sechs oder acht Fensterbauschrauben gehalten, die im Neubau in der Regel wahrscheinlich in einer Mauer aus Poroton stecken. Und je nach Unternehmen kleben auf dem Rahmen noch die Putzleisten… So ist das Fenster an sich korrekt stabil und dank dem Bloco-Band luftdicht montiert und an sich auch fertig. Kann man sich nicht beschweren 😉

Wer aber schon mal einen Poroton Stein in der Hand hatte, weiß wie fragil diese sind; ohne viel Aufwand lassen sich hier die tönernen Stege der Ziegel zerdrücken. In diesen Steinen halten zwar die Fensterbau Schrauben und damit auch die Fenster, aber es kann passieren, dass die Schrauben auf Grund der fragilen Poroton Steine ein minimales Spiel bekommen, was dann dazu führt, dass die Fenster minimal, aber merklich „wackeln“, da das Bloco-Band… naja… Bloco-Band ist wie so genanntes Kompri-Band; nur in Fensterrahmen-Breite und mit einer schon eingebauten Dichtfolie auf der Innenseite.

Und Kompri-Band ist -wie die Bezeichnung vermuten lässt- komprimiertes Band!(Wikipedia schafft Abhilfe) Sobald man die Rolle Kompriband aufschneidet beginnt sich das Band auszudehnen.

Beim Fensterbau ist das Kompriband in etwa 20mm breit und frisch auf der Rollen ca.4mm dick und wird in verschiedenen Ausführungen angeboten; z.B.  Kompriband 9/15 heißt, dass dieses für Fugen von 9 bis 15mm geeignet ist. Auf einer Seite ist noch ein gewebeverstärkerter Klebestreifen, mit dem man das Band am Fensterrahmen kleben kann. Das Zeug fühlt sich wie leicht klebriger, langsam reagierender Schaumstoff an.

….aber wieder zurück….

Also kann man sich vorstellen, wenn die Schrauben in der Mauer ein bisschen wackeln und das verwendete Bloco-Band dem ganzen keinen Widerstand bietet, die Fenster am Ende auch einen unstabilen Eindruck machen. Im Notfall kann man hier, dann noch zusätzlich zu den Schrauben Laschen anbasteln und das ganze etwas mehr aussteifen.

Aber eine andere Montageweise schafft hier Abhilfe und ist meiner Meinung nach auch die momentan beste; eine Kombination aus ‚klassischem‘ Montageschaum, Schrauben und Kompriband und zusätzlich noch einer Dichtfolie bzw handelt es sich hier mehr um ein Klebeband.

Die Ral – Montage sieht dann folgender Maßen aus:

Das Ganze muss zack-zack gehen, da das Kompriband mehr oder weniger schnell aufquillt. Im schlimmsten Fall streift man das Kompriband wieder ab, wenn man den Rahmen in die Leibung stellen will… also hier nicht herumtrödeln und alles vorbereitet haben:

  • Alle Fensterflügel aus dem Rahmen nehmen.
  • Die Rahmen stehen an der Leibung, in die sie eingebaut werden sollen.
  • Die Rahmen sind vorgebohrt
  • Die Leibungen sind sauber (Staubfrei)
  • Montagematerial liegt auch bereit:
    • Montageschaum
    • Unterlegmaterial
    • Schlagbohrer mit entsprechendem Steinbohrer
    • Schrauben
    • Hebeleisen
    • Tapeziermesser um die Klebebänder abzuschneiden
    • Kompriband
    • Klebeband (z.B. von Siga das Fentrim20)
  • Geht nochmal sicher, dass die Fensterrahmen auch wirklich in die Leibungen passen und auf jeder Seite ca.1,5cm Luft haben!

Anleitung

Man schneidet die Rolle Kompriband auf, klebt das Band auf die außenliegende Falz des vorgebohrten Fensterrahmens (hierbei bitte ausreichend, aber nicht zu viel Band in Ecken überstehen lassen) und klebt die Dichtfolie bzw -klebeband laut Anleitung (Siga ist hier ein namhafter und nennenswerter Hersteller mit weiteren Anleitungen und Co.) auf die innenliegende Falz, stellt den Rahmen in die Leibung, ausrichten, ggf unterlegen, bohren, festschrauben.

Je nach Wetter braucht nun das Band bis zu einem Tag bis es vollkommen aufgegangen ist und die Fuge zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk geschlossen hat. Aber bei 20°C sollte das Kompriband in etwa einer halben bis einer Stunde vollkommen aufgegangen sein. Wenn man Kompriband verwendet, ist es wichtig für eine möglichst glatte Leibung zu sorgen. D.h. vor der Montage die gemauerte Leibung mit einem Glattstrich zu versehen (man glättet die Leibung mit einer möglichst dünnen Schicht Mörtel bzw man schmiert noch Mörtel in die Leibung)…. In meinem Fall besteht die Leibung aus Holz und das ist schon vom Sägewerk aus sehr glatt. Also brauchte ich hier nichts mehr zu tun. Wenn die Fensterrahmen festgeschraubt sind, kann man die Fensterflügel einhängen. So verhindert man, dass der nun kommende PU-Schaum den Rahmen nach innen drückt und ihn verzieht.

Sobald das Kompriband aufgegangen ist kann man nun von innen die Fugen mit PU-Schaum ausschäumen und eigentlich müsste man jetzt gleichzeitig das Klebeband abziehen und anbringen, damit der PU-Schaum nicht auf der Innenseite wieder herausquillt….. man muss schauen wie man das am besten hinbekommt 😉 Ich hab vorsichtig Schaum in die Fuge gegeben und dann so schnell wie möglich das Klebe/Dichtband abgezogen und an die Leibung geklebt. Wenn man mehrere Fenster zu montieren hat, empfiehlt es sich schon eine Profi-Schaumpistole zu besorgen, da man hier mit den Schaum kontrollierter anbringen kann und insgesamt einfach sauberer arbeiten kann. Bitte nicht vergessen die Pistole immer sauber zu halten, sonst kann man sich schnell eine neue besorgen 😉  (Entweder bei eBay ein Set bestellen oder im Toom-Baumarkt gibt es gute und günstige Pistolen… Rote Kunststoff-Dinger um die 11€)

Nach etwa einem Tag ist der PU-Schaum ausgehärtet und man darf das Fenster nach Belieben öffnen und Schließen. Zuvor bitte Finger weg!

Und auch bitte nicht die Wetterbleche nicht vergesssen…. die steckt man außen einfach in die vorgesehene Nut und schraubt sie am Rahmen fest. Ganz zum Schluss noch die Fenster einstellen, damit diese auch sauber auf und zu gehen… und…. fertig. Das ganze nennt man dann eine „RAL-Montage“ und ist für gedämmte Neubauten zulässig etc… aber hier streiten sich auch noch die Geister.

An sich klebt der PU-Schaum so gut, dass man eigentlich die Schrauben nicht benötigt, aber sicher ist sicher! Und die Kombination hält auf jeden Fall….. was gibts noch zu schreiben!?…. Aufdoppelungen an den Fensterrahmen muss ich noch erwähnen; dazu kann man auch die untere Leiste für das Wetterblech(Fensterbank) zählen.

Rollläden und Co. habe ich jetzt weggelassen…. Dazu werde ich mich dann noch bei Gelegenheit äußern.

Ich hoffe euch eine mehr oder weniger ausreichende Anleitung und Infos zur Fenstermontage gegeben zu haben, ansonsten einfach bitte im Kommentar nachfragen!

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